story

the thatchers story

1989. Das Ende des Kalten Krieges. Chomeini ruft zur Tötung von Salman Rushdie auf. Die Glaspyramide des Architekten Pei erfindet den Louvre neu als modernes Museum. Russland zieht sich aus Afghanistan zurück. Die erste Love Parade bewegt Berlin. In Peking geschieht das Tian’anmen-Massaker. Die deutschen Damen werden erstmals Fußball-Europameister. Der Beginn vom Ende von Margaret Thatcher. Die Mauer fällt. Und thatchers wird geboren.

1989. ein wildes Jahr. thatchers war Teil davon. Ralf Hensellek und Monika Krüger – beide hatten eine Mode-Ausbildung am Berliner Lette Verein absolviert – und Thomas Mrozek – mit Erfahrung im Kostümdesign – gründen das Berliner Modelabel thatchers. Aufbruch, Mode machen in Berlin, Stil mit Brüchen, Kontrapunkten, Ironie. Wir haben Margarets Namen genommen und einen Slogan für das Label geprägt: Dress with Discipline. Wir sitzen damals in einem winzigen Atelier mit 40 qm in der Chausseestraße Berlin Mitte, besetztes Haus.

Ein Sprungbrett für thatchers in diesem Jahr ist die AVE Modemesse, die erste Avantgarde Consumer-Messe Berlins. Berlin erlebte nach dem Mauerfall eine Wiedergeburt in Agonie und Freude. Thomas Mrozek kommt aus der Theaterszene, ist Mitgründer des ersten englischsprachigen Theaters der Stadt ‚Berlin Play Actors‘. Gemeinsam mit thatchers entstehen die Kostüme unter anderem für ‚Saint Joan‘ von Shaw und ‚No Exit‘ von Sartre. Zu Beginn der Neunziger geht Monika Krüger ihren eigenen Weg und gründet ‚etuipop‘ Büro für Bildschirmgestaltung; thatchers verdankt ihr die Homepage – bis heute, zuletzt den Relaunch von 2013. 1995 setzt thatchers einen neuen Focus in Paris, experimentiert mit der Präsenz auf den Verkaufsmessen, macht Erfahrungen mit Einkäufern aus Frankreich, Italien, Japan, USA. Die erste Kollektion dort heißt ‚Beware of Killer Capitalism‘, gefolgt von ‚Pure Inferno‘. 1997 gewinnt Ralf Hensellek den von Akzo Nobel ausgeschriebenen International Designers Award. Die Trophäe wird in unserem Archiv behütet, so wie die Designs und Styles der frühen Jahre, die erstmalig 2005 in einer Retrospektive in Peking ausgestellt wurden. thatchers wurde in diesem Jahr vom Goethe Institut und vom Auswärtigen Amt als Botschafter der deutschen Mode ausgewählt, und wir zeigten eine Show in der Residenz des deutschen Botschafters. In den Ausstellungsräumen des Pekinger Instituts für Mode präsentierten wir unsere Arbeit auf 1000 qm. 2006 gaben Monika Krüger und Thomas Mrozek einen Workshop an der NAFA Academy Singapore, erneut in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut. 

Nach gemischten Erfahrungen mit Verkaufs- und Presse-Agenturen und den Messen in Paris beschliessen wir endlich, eigene Stores zu eröffnen: 2001 in der Kastanienallee 21 Berlin Prenzlauer Berg, 2002 in den Hackeschen Höfen in Berlin Mitte. Wir ziehen uns vom Messegeschäft zurück. Dies geschieht zu der Zeit, als Berlin neuer Fashion-Hype wird. Doch wir haben begriffen, daß für unsere Philosophie und für unsere Größe die gängigen Marketing-Strategien nicht funktionieren.

Wir bieten Kreativität statt kreativer Manipulation. Unser Credo ist: Mode machen für unsere Frau. Und diese Frau haben wir durch unsere eigenen Stores entdeckt: Sie ist selbstbewußt und selbst-bestimmt, zwischen 25 und 100 Jahre alt, sie möchte selber wirken, ohne Firlefanz. Wir entwickeln das, was die thatchers-Frau braucht. Nachhaltigkeit, Qualität und Herstellung in Berlin waren für uns schon selbstverständlich, als diese Begriffe noch nicht plattgeredet wurden.

Auch das Theater beschäftigt uns weiterhin: der ‚Jedermann‘ im Berliner Dom war 1998/99, ‚Talking Heads‘ von Alan Bennett hatte 2011 deutschsprachige Uraufführung in Zürich.

2011 wird zu einem Einschnitt in der Geschichte von thatchers durch den Tod von Ralf Hensellek.

Das thatchers Team um Thomas Mrozek setzt die Tradition fort und entwickelt die Handschrift weiter. thatchers ist ein Local Berlin Hero mit globaler Gültigkeit. Uns inspiriert jetzt nicht mehr die party-kompatible 18-jährige von 1989, sondern die Frau, die einen fordernden Alltag hat, die morgens zur Arbeit geht und am Abend noch ihren Preis für den oder die oder das beste… entgegennehmen möchte. Wir bieten der thatchers-frau ein Zuhause in der Mode.

Wir definieren die drei Segmente in unserem Programm: Basics, Classics und Couture. ‚berlin basics‘ ist der Bereich, der sich an diejenigen richtet, die sich bisher nicht für Mode interessierten. Hier gibt es die Basics fürs tägliche Outfit: schlichte und gute Shirts, eine Serie mit T-Shirts für anspruchsvolle Berlin-Liebhaber. Kleider, Wraps, Tücher, Taschen, Gürtel, Mützen, Schals, aber auch Kissen, Küchenaccessoires. Die ‚thatchers guests‘ ergänzen das Programm: handwerklich und vom Design her interessant, emotional und Ausdruck einer Sehnsucht nach Schönem. ‚berlin basics‘ vermittelt einem neuen Zielpublikum das Programm, für das die Marke thatchers steht: Freude an den schönen Dingen des Lebens, Dinge, die man nicht überall findet, kreative und ungewöhnliche Ideen.

Die gehobeneren Segmente der Kollektion sind ‚thatchers classics‘, bewährte und must-have Stücke, immer in schwarz und in saisonal wechselnden Farben. An der Spitze die ‚thatchers couture‘, der gewagtere und experimentellere Teil der Kollektion. Das Image der Marke thatchers wird hier klar formuliert, neue Looks angeboten, deren Neuheit oft erst retrospektiv klar wird. Und alle Segmente – thatchers basics, classics und couture – sind untereinander kombinierbar. 

25 jahre thatchers in Berlin. 25 jahre immer neu.